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Zur Untermauerung des Erbauungsdatums sei hier ein Textauszug aus dem Buch ”Menden - Eine Stadt in ihrem Raum”eingefügt. Hintergrund der genannten Zeugenvernehmung ist eine Auseinandersetzung zwischem dem Bürgermeister und Rat der Stadt einerseits und Pastor Haustaedt andererseits. Bürgermeister und Rat hatten Pastor Haustaedt verleumdet und mit unwahren Behauptungen denunziert. Nach Aussagen vieler Menschen, die sich ausnahmslos auf die Seite des Pastors stellten, wollte dieser die Angelegenheit endgültig klären und beauftragte den Werler Notar Johannes Jerues, mit der Vernehmung von Zeugen:
“Nach der Vertrauensbekundung vom Jahre 1661 mußte sich Pfarrer Haustaedt verletzt und ungerecht behandelt fühlen. Er war daher auch nicht gewillt, die Sache auf sich beruhen zu lassen und seine Versetzung auf eine andere Stelle hinzunehmen. Er beauftragte den Notar Johannes Jerues von Werl, „die Vornehmsten der Pfarrgenossen der Stadt Menden und jedes Dorfes zur Vernehmung über seine Amtsführung zu laden und sie auf sieben Fragen, die sich inhaltlich mit den bereits angeführten decken, antworten zu lassen". Gisbert Kranz gibt in seiner „Geschichte der Pfarre Menden II vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Übergang an das Bistum Paderborn" (s. Quellenverzeichnis) einen genauen und eingehenden Überblick über die Verhöre, die in den folgenden Wochen vorgenommen wurden. Die erste Vernehmung fand am 20. Januar 1662 in der Kapelle in Werringsen statt. Aus Wimbern sagten 7 Zeugen aus, aus Oesbern 6 und aus Werringsen 5. Die zweite Vernehmung erfolgte ebenfalls am 20. Januar 1662 in der Kapelle zu Lenerinckhausen. Hier sagten aus Lenerinckhausen 7, aus Hüinckhausen 8 und aus Böinckhausen 5 Zeugen aus.”
Die Jahreszahlen 1690 bis 1699 entstammen einem Brief vom 3.6.1855 des Oesberner Gemeindevorstehers Goeke an den Mendener Bürgermeister Alsing, in dem er die Erbauung der Kapelle für die Jahre 1690 bis 1699 angibt. Aus seinen Angaben geht auch hervor, dass sie von den Mitgliedern der Schulgemeinde Werringsen errichtet worden ist. Wörtlich ist vermerkt: „Die Kapelle ist von sämmtlichen Gemeinheitsmitgliedern der Schulsocietät Werringsen erbauet und benützt und haben ihr Eigentumsrecht stets dadurch verwahrt und behauptet, indem der zeitige Lehrer in Werringsen verpflichtet ist, jede Leiche, welche im Bereich der Schulsocietät Werringsen stirbt, mit der Kapellenglocke daselbst beläuten muß". Der Heimatforscher Theo Ostermann aus Werringsen geht davon aus, dass die Kapelle um 1655 herum gebaut worden sein muß, denn Pfarrer Haustaedt hat 1652 die Kapelle in Schwitten errichten lassen. Die Glocke hierfür, die seinen Namen trägt, wurde im Jahre 1660 gegossen. Um den Kirchgängern die weiten Wege zu ersparen, dürfte er den Kapellenbau in Werringsen ebenfalls zügig betrieben haben. Die Bauzeit um 1655 dürfte durchaus realistisch sein. Letztlich verbleibt sie aber im Dunkel der Geschichte.
An der Errichtung der Kapelle dürften die sog. Stephansbrüder (Stephansknechte) einen wesentlichen Anteil gehabt haben. Die Stephansbrüder waren eine fromme Bruderschaft, die sich in der Pestzeit während des 30-jährigen Krieges zusammen gefunden hatte. Eine Inschrift vor der Orgelbühne vom 4.9.1705 weist auf die Stephansbruderschaft hin.
Der Baumeister der Werringser Kapelle ist unbekannt. Vermutlich hat ein heimischer Zimmermann diese Rolle übernommen.
Die dem Erzengel Michael geweihte Kapelle war bis zur Einweihung der St. Johannes-Baptist-Kapelle zu Barge der kirchliche Mittelpunkt der Streusiedlungen Werringsen, Barge, Nieder-Oesbern, Ober-Oesbern, Brockhausen, Wimbern. Der Einzugsbereich der Kapelle war mit der Schulgemeinde Werringsen identisch.
Besonders erwähnenswert ist, dass neben der Kreuzkapelle in Sümmern die Michaelskapelle die einzige erhaltene Fachwerkkapelle im Raum Menden und Iserlohn ist. Im Gegensatz zur Kreuzkapelle hat sich das Bild der Michaelskapelle bis auf den heutigen Tag erhalten. Sie ist ein schlichter Barockbau mit Barocktür. Im Innern befindet sich eine barocke hölzerne Michaelsfigur aus dem Jahre 1699 und eine Muttergottes-Statue aus dem Jahre 1702.
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